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fondsweb.de - Nachhaltige Indexfonds: Rendite mit Schönheitsfehler 30.06.20 Meldung

(boerse-online) - Nachhaltige Indexfonds bringen gute Gewinne. Aber sie können den Wunsch nach einem guten Gewissen schwerer in eine glaubwürdige Strategie umsetzen als aktive Fonds.

Bilder täuschen besonders leicht. Liegt im Kühlregal eine Packung Fleisch, von der ein Schwein auf einer grünen Wiese grüßt, entsteht schnell der Eindruck, es stamme von einem Bio-Bauernhof. Wirbt daneben noch ein Siegel mit einem umweltfreundlichen Slogan, ist die Illusion fast perfekt. Es braucht schon einen Blick auf die Güteklasse, um festzustellen, dass das Schwein aus Massentierhaltung stammt - und die bunten Aufdrucke nicht mehr sind als ein Versuch, die Ware in ein besseres Licht zu rücken.

Auch die Fondsindustrie arbeitet gern mit starken Bildern, um Verbraucher von der Nachhaltigkeit ihrer Produkte zu überzeugen. In Image-Filmen sieht der Kunde riesige Wellen brechen, fliegt an Bord einer Drohne über Regenwälder oder schaut den Kleinbauern Südamerikas beim Kaffeerösten zu. Eine Stimme aus dem Off erklärt dazu, wie das eigene Geld die Welt besser macht und nur in gute und saubere Firmen fließt.

Nachhaltiges Investieren galt lange als Domäne aktiver Fondsmanager, die neben Finanzkennzahlen auch die Ökobilanzen und das Geschäftsgebaren einzelner Firmen sezieren. ESG nennt man das im Fachjargon. Nun sind aber immer mehr Öko-ETFs am Markt, die Indizes abbilden, die solche Kriterien ebenfalls berücksichtigen. 2019 waren deutschlandweit 145 ETFs zum Vertrieb zugelassen, die das Geld der Anleger umweltfreundlich, ethisch oder sozial korrekt investieren wollen, zeigen Daten der Fondsratingagentur Scope. Die Hälfte davon entstand in den vergangenen drei Jahren.

Geht ESG jetzt auch passiv? Klar ist: Die neuen Spieler mischen den Markt für nachhaltige Geldanlagen kräftig auf. Das liegt daran, dass ETFs günstiger sind, weil sie nur einen Index abbilden. Derzeit zahlen ESG-Investoren im Schnitt nur 0,24 Prozent für ihren Indexfonds, zeigen Daten der Ratingagentur Scope. Für aktive ESG-Fonds müssen sie teils ein Vielfaches berappen. Dabei bieten ESG-ETFs oft sogar gleiche oder höhere Renditen als vergleichbare aktive Fonds.

Probleme im Detail

Bei Kosten und Rendite müssen sich grüne ETFs also nicht verstecken. Doch wie steht es mit dem guten Gewissen? Kann ein Fonds, der blind einem auf starren Kriterien basierenden Index folgt, statt jedes einzelne Investment zu hinterfragen, überhaupt Gewissensentscheidungen über "gute" und "schlechte" Firmen treffen?

Wer genau in die Portfolios der großen Anbieter schaut, bekommt Zweifel. Im vermeintlich kohlefreien ETF von State Street Global Advisors, dem SPDR MSCI EAFE Fossil Fuel Reserves Free ETF, steckten beispielsweise bis vor Kurzem gut 3000 Aktien des weltgrößten Kohleproduzenten RWE. Der MSCI EMU Socially Responsible ETF der Schweizer Bank UBS investiert fünf Prozent des Kapitals in den Erdölkonzern Total. Und der Dow Jones Global Sustainability Screened UCITS ETF der Blackrock-Tochter iShares hat den Lebensmittelkonzern Nestlé unter den größten Positionen. Greenpeace hält Nestlé wegen seiner exzessiven Nutzung von Einwegverpackungen für einen der weltweit größten Verursacher von Plastikmüll. Und nicht nur deshalb wird der Konzern immer wieder von Umweltschützern und Nichtregierungsorganisationen kritisiert. Das Ärgerliche: Es handelt sich dabei nicht mal um Etikettenschwindel. Denn es gibt gar kein einheitliches Etikett, keine strenge Definition darüber, wie ein nachhaltiger Index aussehen darf und wie nicht. Weil jeder Investor unter diesem Begriff etwas anderes versteht, kann quasi jedes Portfolio für nachhaltig erklärt werden, wenn der Anbieter nur eine in sich stimmige Erklärung liefert. Das gilt auch für aktive Fonds. Dort müssen sich aber die Anbieter für Fehlentscheidungen verantworten, ETF-Häuser können Kritik jedoch an die Indexanbieter weiterreichen. Schließlich ist jeder ETF nur so gut wie der Index, den er abbildet.



Quelle:
fondsweb.de